Kultur in Ramsau am Dachstein

Tradition, Religion, Altbewährtes

Dickschädel und ihre Kultur

Ramsau am Dachstein weist neben einer wundervollen Natur, einem riesigen sportlichen Angebot und zahlreichen Freizeitaktivitäten eine besondere Geschichte auf. Hartes Handwerk, lang eingesessene Traditionen, aber vor allem der eiserne Glaube zeichnen die Vergangenheit der Ramsau und Ihrer Bevölkerung. Eine einzigartige Entstehung des evangelischen Glaubens im erzkatholischen Habsburgerreich, und ganz besonders die Erhaltung zur Zeit der Gegenreformation war eine ganz besondere Art, sodass damals die Einwohner oft als Dickschädel bezeichnet wurden. Dieser Ausdruck blieb bis heute verankert.

Der evangelische Glaube

Wir drehen die Zeit etwas zurück. Wie gesagt, Altbewährtes war immer standhaft in der Ramsau, und so erhofften sich auch damals Bauern wie Adelige eine Rückbesinnung auf die ursprünglichen christlichen Werte durch Luthers Glaubensgrundsätze. Natürlich begünstigte die Erfindung des Buchdrucks von Gutenberg die rasche Verbreitung Luthers Ideologien und Schriften. Da zu dieser Zeit in Schladming eifrig Bergbau betrieben wurde, erreichten die Bibeln rasch das steirische Ennstal. Bereits Ende des 16. Jahrhunderts waren zwei Drittel der Steirer evangelisch.

Geheimprotestantismus

Darauf reagierte Erzherzog Ferdinand II und die katholische Kirche mit einer Gegenreformation. Ab 1598 verbot man evangelische Bücher und Protestanten wurden zwangsbekehrt oder mussten das Land verlassen. Also machten sich vor allem die Ramsauer ihre schwer erreichbare Lage zunutze und praktizierten Ihren Glauben geheim in den Tennen der Bauern oder am Predigtstuhl. Noch heute ein sehr steiler Bergsteig mit einer Gedenktafel an die damalige Zeit. Dort in den Felsen, oder auch im Stall unter dem wildesten Stier wurden die Bibeln versteckt, welche sie von Salzträgern aus Gosau erhielten. Dieser Weg wird als Bibelsteig bezeichnet, und ist Teil des 500 Kilometer langen Weg des Buchen von Passau bis zur slowenischen Grenze. Zwar riskierten die Einheimischen damals oft Haus und Hof zu verlieren, doch als im Oktober das Toleranzpatent die freie Religionsausübung ermöglichte, offenbarte sich erst der vehemente Widerstand der Ramsauer Bevölkerung: Von den damals 130 in Ramsau lebenden Familien waren 127 evangelisch!

Fehlendes Titelblatt

Bis heute sind 80% der Einwohner evangelisch, und sogar die älteste Lutherbibel Österreichs stammt von einem Ramsauer Bauernhof, nämlich aus dem Jahr 1536! Durch Umbauten an alten Gehöften kamen oft versteckte Lutherbibeln ans Tageslicht, andere wurden weitervererbt. Doch meistens fehlte das Titelblatt. Das war sozusagen eine Sicherheitsmaßnahme, denn die Kommissäre der katholischen Kirche konnten nicht lesen, aber erahnten das Erscheinungsbild der ersten Seite so einer Bibel. Die Sonderausstellung „Gott und die Welt“ in Schloss Trautenfels widmet sich dieser Zeit, und auch im Ramsauer Museum „Zeitroas“ handeln die Ausstellungen von Jagd, Kultur, Brauchtum und besonders vom starken evangelischen Glauben. Hautnah erfährt man die Geschichte auf dem Toleranzweg in Ramsau, der bei der evangelischen Kirche startet.

Religiöse Bauten

Zwar erlaubte das Toleranzpatent keinen Kirchenbau, jedoch durfte man ein Bethaus errichten, dieses wiederum aber nach genauen Vorgaben. Soll heißen kein straßenseitiger Eingang und ohne Kirchenturm. Zwei Jahre nach dem Toleranzpatent, also bereits 1783 begann man eifrig mit dem Bau. Sämtliche Materialien wie Kalk, Stein und Holz brachten die Ramsauer auf und stellten ihre Arbeitskraft in den Dienst der Sache. In einer unglaublichen Bauzeit von nur ca. 3 Monaten wurde das Bethaus mit einem Kostenaufwand von 3475 Gulden errichtet.(Vergleich: ein Jahreslohn eines Knechts waren damals 4 – 6 Gulden) Doch die Ramsauer merkten die Beiträge nicht, da das Jahr zuvor sehr fruchtbar war.

Die evangelische Kirche

Mit der Gewährung einer vollen Gleichberechtigung für die evangelische Kirche machten es sich die Ramsauer zur Aufgabe eine eigene Kirche zu bauen. Dieses Projekt wurde unter Pfarrer Carl Hilpert in den Jahren 1888 bis 1895 verwirklicht.

Die katholische Kirche 

Unsere Kulmkirche ist nicht nur eine der ältesten, sondern auch eine der bedeutendsten Kirchen des frühen Christentums im Ennstal. Geweiht ist sie dem heiligen Rupert, welcher im Jahr 715 im Salzburger Dom beigesetzt wurde. Die Ramsauer Rupertikirche wurde ca im 13. Jahrhundert erbaut und war eine Filialkirche der Pfarre Haus im Ennstal. Das Patrozinium der Kirche weist auf eine enge Beziehung zwischen Salzburg und Ramsau hin. Die Kulmkirche ist im romanischen Stil erbaut und erst später wurde ein gotischer Chorraum angebaut.

Brauchtum und Vereine

In Zeiten, wo man Kinder mit Smartphones und Tabletts beschäftigt, die meiste Unterhaltung technisch stattfindet, drehen wir in der Ramsau das Rad noch ein wenig zurück. Will nicht heißen, das man in dörflichen Gemeinden hinten geblieben ist, aber die Bedeutsamkeit für ein Miteinander und ein zusammen helfen hat einen besonders hohen Stellenwert. Gemeinsam musizieren, alte Bräuche aufleben lassen, und ganz wichtig in unserer traditionsgemäßen Kultur;  gemeinsam Feste zu veranstalten. Zum Beispiel das Frühlingsfest der Pferde, welches immer am 2. Juni Wochenende stattfindet, schweißt die Ramsauer noch einmal so richtig zusammen, bevor die Saison losgeht. Speziell in den letzten paar Jahren hat sich herausgestellt, dass eine Vereinszugehörigkeit wieder richtig „In“ ist. Und so ist auch die gesamte Familie Kirchgasser bei mindestens einem Verein dabei.